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02.10.2020

Süderelbe Öffnung der alten Süderelbe? Tideelbe, Natur und Hochwasserschutz. Es geht um mehr. Es geht um Menschenleben.

„Das macht uns Angst“ sagen die beiden Vorsitzenden der SPD Neugraben-Fischbek zu der Idee des Forums Tideelbe, die alte Süderelbe wieder zu öffnen. Damit sprechen sie genau das aus, was viele Menschen im Raum Süderelbe fühlen. Gerade die Älteren vor Ort kennen die Sturmflut von 1962 noch aus eigenem Erleben. Haben die Bilder der überschwemmten Felder und Häuser und vor allem der Toten noch vor Augen.

Die SPD-Vorsitzende Beate Pohlmann hat die alten Überschwemmungskarten studiert: „Viele haben vergessen, dass nördliche Teile von Neuwiedenthal überschwemmt wurden, im Bereich Bostelbek reichte das Waser zum Teil bis an die B73 und der Bereich des heutigen Wohngebiets Vogelkamp war ebenfalls zum Teil betroffen. Wir reden hier nicht von nassen Füßen sondern von einer Gefahr für Menschenleben. Das kann nicht nebenbei abgearbeitet werden, ohne die Ängste der Bevölkerung einzubeziehen.“

Die meisten Toten hat es in Wilhelmsburg gegeben. Dort gab es 222 Opfer. Aber auch in Waltershof starben 37 Menschen sowie in den Stadtteilen Billbrook (13 Tote), Neuenfelde (10 Tote) und Moorburg (5 Tote). Durch die großen Deichbrüche im Bereich der Süderelbe zwischen Neuenfelde und Harburg wurden auch weite Teile des zu Niedersachsen gehörenden Hinterlands überflutet. Besonders schwer betroffen waren hier die Orte Rübke und Seefeld.

Ihr Genosse Henning Reh sieht durchaus die Bemühungen zur Erhöhung der Deichsicherheit seit der Flutkatastrophe, warnt aber deutlich davor, sich auf die vermeintliche Sicherheit durch Warnsysteme und ein mögliches Sperrwerk zu verlassen: „Natürlich kann man eine Öffnung der Süderelbe mit einem Sperrwerk kombinieren. Doch auch die höchste Ingenieurskunst ist verletzlich. Blicken wir doch nur auf die akuten Probleme mit der Reetheklappbrücke oder dem Este-Sperrwerk. Das sollte uns Warnung genug sein.“

Einig sind sich die beiden, dass es sich um eine gemeinsame Verantwortung aller Elb-Anrainer handelt. Es muss einen Ausgleich zwischen Naturschutz und Hochwasserschutz geben, dieser darf aber nicht zu Lasten der Sicherheit der Menschen gehen. „Hamburg hat als dicht besiedelte Stadt wenig mögliche Rückstauflächen zu bieten, ist aber ebenso in der Verantwortung wie die Flächenländer, durch die die Elbe fließt. Wenn Hamburg hier nicht mit Flächen die eigene Verantwortung wahrnehmen kann, so muss das über einen anderen fairen Ausgleich stattfinden, auch wenn das Geld kostet.“

Zumal beide auch weitere Aspekte skeptisch betrachten. So werde nicht nur ein einmaliges Stillgewässer, das zum Lebensraum seltener Pflanzen- und Tierarten sowie zum Rast- und Nahrungsgebiet zahlreicher Vogelarten geworden ist, vernichtet. Auch die Auswirkungen auf die Landwirtschaft, insbesondere den Obstanbau, seien nicht absehbar.

„In diese Debatte wird sich die gesamte Region Süderelbe einbringen“, sind sich Pohlmann und Reh sicher, „Das ist nichts, was mal eben am grünen Tisch oder in politischer Runde durchgewunken werden darf. Das betrifft uns hier vor Ort und hier werden wir uns auch einmischen.“